TDWI-Kongress 2010 München – Tag 3

Mittwoch, 16. Juni 2010, 18:47 Uhr

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EC 360 von München Hauptbahnhof nach Karlsruhe. Der TDWI-Kongress ist für mich zu Ende und nun bin ich mal gespannt wie pünktlich die Bahn heute sein wird. Auf der Hinfahrt waren es immerhin 18 Minuten Verspätung und mein Sitznachbar berichtete gerade von 360 Minuten – ja, 6 Stunden! – Verspätung auf seiner letzten Fahrt von Berlin nach München. So schwarz will ich jetzt mal nicht sehen. Deshalb Daumen drücken und dafür gibt es jetzt aus dem Zug den Tagesbericht vom 3. und letzten Tag des TDWI-Kongresses 2010 in München.

Keynote „Catching the next wave of Business Intelligence“, Barry Devlin

Der „Grandfather of Business Intelligence“ wagte einen Ausblick auf die BI-Zukunft. Auch hier war wieder die im Laufe des Kongresses vielzitierte Performance ein Thema, oder vielleicht eher gesagt ihre Auswirkung: Barry Devlin stellte die Performance-Verbesserungen als essentiell dar und ging schon einen Schritt weiter: Welche Auswirkungen hat es wenn die Query-Performance deutlich steigt?

Dies sollten wir zum Anlass nehmen die heute übliche Architektur nachzudenken und diese massiv zu vereinfachen. So sollte es nach seinen Vorstellungen nur noch 3 Ebenen geben: People, Process und Information.

Barry Devlin geht nicht nur davon aus, dass das Thema SOA immer wichtiger wird, sondern sieht es als erfolgskritisch an, dass sich die Serviceorientierung auch im BI-Bereich durchsetzt: „SOA must succeed!“ Damit könnte es in Zukunft möglich werden, dass aus der Blackbox, die zahlreiche BI-Systeme heute darstellen, ein flexibles System wird. Aus einem vormals statischen System würde so ein dynamisches System, bei dem sich Workflows und Services flexibel hinzufügen, entfernen und kombinieren lassen.

Sicherlich viel Zukunftsmusik und nichts was sich kurz- und mittelfristig durchsetzen wird, aber auf jeden Fall der richtige Weg. Insbesondere die Forderung die infolge der technischen Innovationen möglich gewordenen Verbesserungen der Performance zum „Aufräumen“ zu nutzen, unterstütze ich ausdrücklich. Vielleicht lässt sich das gut mit der Politik vergleichen: Hätte man in den „fetten Jahren“ ein wenig gespart, müsste man heute nicht eine Sparrunde nach der anderen fahren. Aber das ist ein andere (Nicht-BI-)Thema…


Vortrag „Using Open Source for BI and Data Warehousing“, Jos van Dongen

Nach dem gestrigen Vortrag über High Speed Data Warehousing ein weiterer kurzweiliger Vortrag von Jos van Dongen, heute zusammen mit Mark Madsen. Der Vortrag adressierte das Kernnthema dieses Blogs – Open Source Business Intelligence – und war so gehaltvoll, dass ich in den kommenden Tagen noch einmal detailliert darauf eingehen werde. Für den Moment schon einmal eine kurze Zusammenfassung.

Im Prinzip war es zunächst ein Überblick über den OSBI-Markt. Im Bereich der BI-Suiten wurden die „Big 4“ – Pentaho, Jaspersoft, SpagoBI und Palo – mit ihren Stärken und Schwächen erwähnt sowie miteinander verglichen. Im Bereich der Datenintegrationstools gab es mit Kettle und Talend die erwarteten Vertreter. Beim Data Mining sind OSBI.Tools mit dem RapidMiner, R, Knime und Weka gleich mit vier  leistungsstarken Vertretern erwähnt.

Allerdings müssen auch weiterhin die Hausaufgaben gemacht werden, die da wären:

  • Performance Management und -Verbesserungen
  • mehr Kommunikation zwischen Anwendern und den Entwicklern
  • Metadaten-Integration
  • Verbesserungen der Usability und der Frontends
  • Fachbücher und Dokumentation sind noch Mangelware, nur Talend-Dokumentation ist schon sehr gut. In diesem Zusammenhang sein auch auf das neue Fachbuch von Jos van Dongen Pentaho Solutions verwiesen.

In der abschließenden Panel-Diskussion mit Vertretern von Actuate, Ingres, Jaspersoft, Pentaho und Talend wurde dann u.a. festgestellt, dass Usabilty für OSBI-Produkte sehr wichtig, da die Programme ebenso schnell wieder deinstalliert sind wie sie heruntergeladen wurden. Trotzdem sollte man Open-Source-Anwendungen aus unterschiedlichen Gründen als Alternative bedenken:

  • Eine große Anzahl an Anwendern sorgt für die Qualität der Software, so testet beispielsweise die Community Release Candidates auf Fehler.
  • Anforderungen und Entwicklungen von Anwendern können deutlich schneller Einfluss in die Software finden.
  • Die Programme lassen sich zu Evaluationszwecken einfach und schnell laden, ihre Verfügbarkeit ist jederzeit gegeben.
  • OSBI-Software kann auch dann noch benutzt werden wenn es den Anbieter nicht mehr geben sollte, der Code ist ja schließlich verfügbar.

Soweit mal in Kürze, mehr Details und Erkenntnisse aus diesem Vortrag folgen in ein paar Tagen.


Vortrag „BI and Data Management in a Cloud Computing Environment“, Mike Ferguson

Abschließend konnte ich mir noch den 1. Teil des Vortrags zum Thema Cloud Computing von Mike Ferguson anschauen. Mit Cloud Computing habe ich mich ja auch im Rahmen meines Wirtschaftsinformatik-Studiums bereits ausführlich auseinandergesetzt. Mike zeigte zunächst die theoretischen Grundlagen von Cloud Computing und wie sich Business Intelligence in der Wolke nutzen lässt. Noch gibt es einige Hindernisse, die dem Produktiveinsatz im Wege stehen, z.B. Sicherheitsbedenken oder fehlendes Fachwissen – alles Punkte, die auch wir schon in unserer Studienarbeit herausgearbeitet haben.

Nichts desto trotz wird sich nach Meinung von Mike Ferguson die Auslagerung von Teilen der Business-Intelligence-Umgebung in die Cloud zukünftig verstärken. Lange werden sich die Unternehmen die Vorteile wie Abrechnung nach Bedarf, geringere Kosten und größere Flexibilität nicht entgehen lassen. Davor müssen aber die genannten Probleme gelöst werden, insbesondere auch auf rechtlicher Ebene. Denn mit der Verlagerung von Daten in die Wolke verliert der Besitzer auch seine Datenhoheit und wenn die Daten die Länder- oder Europagrenzen verlassen unterliegen sie schnell anderen Gesetzen und es ist fraglich wer auf einmal (theoretisch) alles Zugriff auf die Daten erlangen könnte.

Den zweiten Teil des Vortrags habe ich dann nicht mehr mitbekommen, denn da war ich dann schon auf dem Weg zum Bahnhof. Jetzt ist es 18:47 Uhr, der Zug ist mit drei Minuten Verspätung zwischen Göppingen und Plochingen unterwegs und ich werde meinen München-Trip gleich noch einmal kurz zusammenfassen.

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