Open Source und Produktqualität

Freitag, 09. Juli 2010, 13:44 Uhr

Noch keine Kommentare

Es ist schon fast eine religiöse Diskussion zwischen den Gegner und den Befürwortern von Open Source über die Vor- und Nachteile. Ohne diese Debatte jetzt neu lostreten zu wollen möchte ich aber einen Aspekt betrachten, nachdem ich gerade auf einen sehr interessanten Beitrag gestoßen bin: die Produktqualität. Ist diese nun besser oder schlechter bei Open-Source-Software?

Dass der Beitrag Improving product quality the open source way von James Dixon und damit von einem Pentaho-Mitarbeiter stammt, ist nur Zufall und tut nichts weiter zur Sache. Denn den Aspekt als Pluspunkt für Open-Source-Software, den er benennt, ist unabhängig von Open Source BI und hätte auch gut und gerne aus einer anderen Ecke kommen können. Es geht um die Produktqualität, die seiner Meinung nach aufgrund der „Kombination von Transparenz, iterativen Entwicklungsmethoden mit frühzeitigen und häufigen Releases sowie offener Partizipation“ bei Open-Source-Software besser ist als Software, bei der der Quellcode nicht offen zugänglich ist.


Open Source != kostenlos

Diesem Gedanken kann ich zustimmen, obgleich dafür auch die richtige Einstellung von Seiten der Anwender vonnöten ist. Dazu kann ich eine kleine Anekdote von Joomla!Day 2009 in Bad Nauheim berichten. Joomla! ist eines der weit verbreiteten Content-Management-Systemen unter Open-Source-Lizenz. Wie jedes CMS hat auch Joomla! sein Schwächen, die insbesondere in der sehr rudimentären Rechteverwaltung für die Benutzer liegen. Für die Version 1.6 sind in diesem Bereich große Verbesserungen angekündigt, nur lässt diese Version seit Langem auf sich warten. Dass mittlerweile in regelmäßigen Abständen Release Candidates erscheinen, war im September 2009 noch nicht absehbar und so kam es auch teilweise zu hitzigen und fast wütenden Äußerungen von speziel einem Teilnehmer, an den ich mich noch erinnern kann. Er echauffierte sich lautstark darüber, dass die Entwicklung so langsam ginge und Joomla! an vielen Stellen nicht so funktioniert wie ER es gerne hätte. Aber sonst geht es uns ja gut…

Für mich gehört er zu der Gruppe, die Prinzip nicht verstanden hat und stur in ihrer „Geiz ist geil“-Welt lebt. Open Source ist nunmal nicht gleichbedeutend mit „kostenlos“, sondern sagt zunächst einmal lediglich aus, das der Quellcode jedem kostenfrei zugänglich ist und damit jeder Änderungen daran vornehmen kann. Selbst ist der Mann (und natürlich auch die Frau) lautet demnach nicht nur der Titel einer Hobbyzeitschrift, sondern auch die Einstellung, die für einen erfolgreichen Open-Source-Einsatz zwingend vorhanden sein sollte. Denn nur weil es viele Anwender gibt, die dies verinnerlicht haben, haben sich rund um die viele Open-Source-Projekte mehr oder weniger große Communities gebildet, die zum einen bei Fragen und Problemen helfen können aber auch das Bugfixing und die Weiterentwicklung massiv voran treiben. Ohne diese Community geht es nicht und da vier Augen bekanntlich mehr sehen als nur zwei ist es auch einleuchtend, dass noch mehr Augen noch mehr sehen, noch mehr Fehler finden damit zu einer besseren Produktqualität beitragen. Die höhere Frequenz an Release-Zyklen ist auch ein gutes Zeichen dafür, dass Fehler – so sie denn entdeckt werden – auch schnell gefixt werden. Und ebenso finden neue Features schneller den Weg in die Software.

Zurück zum Nörgler vom Joomla!Day, der so ein wenig in einer Wunschwelt lebt. Die Software soll nichts kosten und genau das können, was er sich vorstellt, damit er mit dem minimalen Aufwand Kundenlösungen stricken und für viel Geld weiterverkaufen kann. Ohne eigene Arbeit geht es nicht. Selber machen oder – wie es Dieter Nuhr provokant aber treffend formuliert hat – „einfach mal die Fresse halten“ lautet also die Devise.


Open Source und die Community

Jetzt aber zurück zum Blogbeitrag von James Dixon, der den Erfolg auch darin sieht, dass Open Soruce viel näher an den drei Zielen Open Requirements, Open Delivery und Open Design ist als die „quellgeschlossene“ Konkurrenz. Die Gründe liegen auch hier wie bereits beschrieben in der für Open-Source-Projekte so wichtig und auch typischen Community.

Gleichzeitig sind damit aber auch die Hersteller gefordert, die sich aktiv um den Aufbau und Erhalt der Community kümmern müssen. Anwender wollen sich ernst genommen und verstanden wissen damit immer das Gefühl von „Geben und Nehmen“ heerscht. Niemand (oder zumindest fast niemand) kann es sich heute erlauben für lau zu arbeiten. Die Investitionen eines Anwenders in Fehlersuche und Weiterentwicklung einer Software wird damit belohnt, dass auch viel Arbeit anderer Nutzer zur Verbesserung der Software und Produktqualität – um auf das Anfangsthema zurückzukommen und den Kreis zu schließen – beiträgt.

Open Source und Community sind meiner Meinung nach untrennbar miteinander verbunden und es liegt vor allem auch an den Firmen hinter den Open-Source-Projekten die Communities zu pflegen und zu begleiten, um sich auch die daraus ergebenden Vorteile zunutze zu machen. Und einer dieser Vorteile ist sicherlich die sich stetig verbessernde Produktqualität.

Tags: ,

Kommentare zu diesem Beitrag

Bisher wurde noch keine Kommentare abgegeben.
Sie können also die oder der Erste sein.

Jetzt einen neuen Kommentar abgeben



(optional, Ihr Name wird entsprechend verlinkt)