2. OSBI-Workshop in Karlsruhe vorbei

Samstag, 26. Februar 2011, 00:23 Uhr

2 Kommentare

Knapp 60 OSBI-Interessierte fanden gestern den Weg an die Hochschule Karlsruhe und sorgten trotz Semesterferien für einen prall gefüllten Hörsaal Multimedia. Insgesamt 8 unterschiedliche Präsentationen standen auf dem Programm, zum Rahmenprogramm gehörten Stände der OSBI-Anbieter Jaspersoft, Jedox und Pentaho sowie das Mittagessen und der gemütliche Ausklang des Tages im Badisch Brauhaus.

Etwas mehr als 24 Stunden sind nun seit dem 2. Workshop OSBI vergangenen und schon gibt es auch ein paar bildliche Impressionen – Danke hierfür an Prof. Trahasch. Meine Bilder streue ich einfach mal in diesen Beitrag ein während ich ein kleines Resumee der Veranstaltung ziehen möchte. Wer nicht dabei sein konnte, der findet sicherlich auch bald die Präsentationsfolien auf der Internetseite zum Workshop.


Die Vorträge

Im ersten Vortrag wagten Prof. Haneke von der Hochschule Karlsruhe und Prof. Hagen von der Dualen Hochschule Lörrach einen Rundumschlag zu den Vor- und Nachteilen von Open Source auch betriebswirtschaftlicher und technischer Sicht. Mit Recht behaupten Sie, dass es nicht der Anspruch von OSBI sein kann in allen Bereichen mit kommerzieller Software zu konkurrieren, die einen ungeheuren Funktionsumfang aufgebaut haben. Aber getreu dem Motto „Weniger ist mehr“ ist das ein der Stärken von Open-Source-Software: stark und konkurrenzfähig in Spezialbereichen, dazu schnell und günstig umgesetzt. Natürlich kommt man bei Open Source um das Thema Kosten nicht herum und für mich war es schon überraschend als der französische Blog LeGrandBI zitiert wurde:

A l’heure des comptes, l’Open Source commercial n’est pas toujours la meilleure solution.

Auch hinter Open-Source-Anbietern stehen Unternehmen mit Profitstreben und teilweise – ob der großen Summen Risikkapital – auch der Notwendigkeit schnell in schwarze Zahlen zu kommen. Ein schöner Überblick über den Status quo und die Frage „Quo vadis Open Source“ wird uns sicherlich kontinuierlich begleiten…

Im Anschluss daran durfte ich die Ergebnisse meiner Master-Thesis mit dem Thema „Entwicklung eines Benchmarks für die Performance von In-Memory OLAP-Systemen“ präsentieren. Ein Urteil überlasse ich anderen, aber die Rückfragen und Gespräche im Anschluss haben mich auf jeden Fall sehr gefreut. Und für alle, die Interesse an meiner gesamten Abschlussarbeit geäussert haben: Ja, ich arbeite daran und lasse mich auch gerne mit Rückmeldungen zum Workshop in Form von Kommentaren motivieren 😉

Von mir als Ex-Studenten ging es dann fließend über die aktuellen Master-Studierenden in Informatik an der Hochschule Karlsruhe. Sie präsentierten ihr Master-Projekt, im Rahmen dessen sie eine mobile Anwendung entwickelt haben, die auf einem Android-Handy läuft und dabei via Schnittstelle auf die Daten aus Jaspersoft zugreifen kann. Das Thema Mobile BI ist ja eines der Hype-Themen und deshalb top-aktuell. Auch wenn sicherlich der klassische Controller eher nicht auf Mobil-Geräten arbeitet, so gibt es doch zahlreiche interessante Anwendungsgebiete. Mal schauen was uns hier noch erwartet und wie die Hersteller selber hier agieren.

Nach der ersten Kaffeepause erzählte Hans-Jürgen Zinn von der Proratio AG über die Anstregungen seines Unternehmens die bestehende Software im Bereich der Lebensmittelhersteller und -vertriebler auf Open-Source-Basis neu aufzubauen. Die Lösung basiert hier technologisch auf Pentaho für die Analyse und Palo für die Planung. Es zeigt sich wie sich die Stärken von zwei Programmen zusammen nutzern lassen. Ich würde mal behaupten: mit kommerzieller Software nicht oder nur sehr viel schwieriger möglich.

Der letzte Vortrag vor der Mittagspause war dann wieder direkt aus der Praxis gegriffen und Maxim Zehe berichtete seinerseits über die Ergebnisse seiner Bachelor-Thesis, in der er im Bereich der pharmazeutischen Industrie Jaspersoft als OEM-Version in ein BI-System eingebaut hat. Wer Jaspersoft kennt, der weiß auch beim Anblick der gezeigten Screenshots, dass hier „nur“ gestylt wurde. Aber sah schön aus und zeigt, dass Customizing und Integration relativ einfach zu bewerkstelligen sind.

Nach dem Mittagessen ging es dann mit einer „wahren Geschichte“ weiter und Ingo Weißhaupt von der schottischen Lebensversicherung Standard Life berichtete über den Weg seiner Firma vom Excel-Chaos bis zur heutigen Palo-Lösung. Es war im Wesentlichen der Vortrag, den er bereits beim TWDI-Roundtable am in Frankfurt sowie auch auf der Palo Open 2010 gehalten hatte. Deshalb möchte ich es jetzt auch bei den Verweisen lassen anstatt Duplicate Content zu produzieren.

Am frühen Nachmittag ging es dann beispielhaft in mit Open-Source-Software realisierte Projekte. Alexander Pohl zeigte, was mit quelloffenen Lösungen nicht nur möglich, sondern vom ihm auch schon umgesetzt wurde. Dabei gab es immer wieder die ein oder andere Anekdote aus dem Projektalltag gepaart mit dem ein oder anderen Tipp. Und immer wieder war auch von SpagoBI die Rede, ebenfalls Open Source aber bei uns relativ unbekannt. Warum eigentlich? Denn so wie ich erfahren durfte ist SpagoBI ein Tool mit sehr vielen Schnittstellen und damit der Möglichkeit die besten Sachen unterschiedlicher Produkte miteinander zu kombinieren. Sollte auch mal einen Blick wert sein…

Als Schlusspunkt skizierte Olaf Laber bezogen auf Datenbanken die Lizenzmodelle vor allem von großen Anbietern und welche „hidden fees“ da schnell auf einen zukommen können. Auch wenn ich davon bei meinen privaten Projekten noch Welten von entfernt bin: ich wusst nicht, dass Oracle die Größe von MySQL-Datenbanken einschränkt, um dann mit einer Oracle-Installation Geld zu verdienen. Die Total Costs of Ownership sollten also tunlichst nicht vergessen werden und auch wer jetzt geschockt ist und gleich an Wechsel denkt: bitte die Migrationskosten mit beachten! Und zum Schluss noch ein Reminder für mich: die Open-Source-Datenbank Ingres mal anschauen!


Das Rahmenprogramm

Nachdem der Workshop OSBI im letzten Jahr noch kostenlos war, fiel in diesem Jahr ein kleiner Unkostenbeitrag an, um die Kosten zu decken. Dafür gab es in diesem Jahr das Mittagessen nicht in der Mensa, sondern im Badisch Brauhaus. Ich kenne die Lokalität schon und war wieder mal zufrieden und denke, dass es auch allen anderen geschmeckt hat. Und trotz über 6 Jahren Studiums im Karlsruhe: der wirklich sehr schöne Gewölbekeller beim Come-Together am Abend war nicht neu…

Neben den Köstlichkeiten im Badisch Brauhaus und der Verpflegung in den Kaffeepausen präsentierten sich auch die drei bekannten OSBI-Anbieter Jaspersoft, Jedox und Pentaho mit kleinen Ständen. Irgendwie hätte ich mich auch noch über einen Stand von Talend gefreut, denn die geben wie auch die drei zuvor genannten Firmen richtig Gas mit neuen Produkten und Entwicklungen. Auf jeden Fall konnte mal sich direkt mal über die jüngsten Entwicklungen informieren und bei Palo schon einmal einen Blick auf die kommende iPad-Version der Reporting-Oberfläche werfen. Machte auch ohne Palo-Logo – die App muss erst noch gebrandet werden – einen interessanten Eindruck. Apropos Palo: Heute ist das 2. Service Release zur Version 3.2 erschienen

Ich denke, dass das diesjährige Rahmenprogramm die Veranstaltung professioneller und wertiger gemacht hat und auch den Unkostenbeitrag rechtfertigte. Und nächstes Jahr würde ich mich dann auch über ein Podiumsdiskussion mit den OSBI-Anbietern und vielleicht auch dem ein oder anderen Kritiker freuen.


Fazit

Auch wenn nicht jeder Vortrag furchbar viel Neues für mich brachte – okay, lag wohl am vorhandenen Vorwissen – fand ich es wieder ein gelungene Veranstaltung mit einigen bekannten Gesichtern und auch vielen anregenden Gesprächen. Ein Thema davon brennt mir besonders auf dem Nagel und ich werde bald mal ein paar Gedanken darüber zusammenfassen.

Jetzt hoffe ich, dass die Rückmeldungen auch auf den Fragebögen so positiv waren, dass es im kommenden Jahr auch einen 3. Workshop OSBI geben wird. Aller guten Dinge sind ja bekanntlich (mindestens) drei…

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Kommentare zu diesem Beitrag

  1. Uwe Haneke sagt:

    Besten Dank für den Tagungsbericht! Als Veranstalter hoffe ich natürlich, dass du auch im kommenden Jahr wieder dabei bist! Nachdem dieses Jahr die Suiten im Vordergrund standen, könnten wir 2012 möglicherweise ja auch Themen wie Data Integration oder Data Mining eingehen. Nach dem Workshop ist vor dem Workshop: Die Planungen für Nummer 3 laufen schon!

  2. Christian Kolodziej sagt:

    Aller guten Dinge sind bekanntlich 3. Schon von dem her muss ich quasi auch im nächsten Jahr wieder dabei sein. Und in der großen Welt der (Open Source) Business Intelligence wird sich sicherlich wieder ein Thema finden. Auf jeden Fall hoffe ich wie andere Teilnehmer sicherlich auch auf eine Fortsetzung…

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