Rückblick: TDWI-Roundtable in Stuttgart zum Thema OSBI

Donnerstag, 19. Mai 2011, 21:56 Uhr

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Am 16. Mai fand der dritte TDWI-Roundtable in Stuttgart statt. Vor der Kulisse aus Pfeifengetrillere und „Oben bleiben“-Rufe der neuerlichen Stuttgart-21-Demo wurde im 9. Stock des Turmforums im Stuttgarter Hauptbahnhof versucht ein Vergleich zwischen SAP BI und der Pentaho zu ziehen. Ein ungleiches Duell…

Die gemeinsame Präsentation von Prof. Reinhold von Schwerin und Volker Herbort von der Hochschule Ulm sowie Peter Baumann von der rubinion AG bei 5. TDWI Roundtable in Stuttgart trug den Titel „Open Source BI als Alternative zu SAP BW im Umfeld von kleinen und mittelständischen Unternehmen“ und wirkte damit auf mich zunächst sehr interessant. Auch als OSBI-Anhänger und Verfechter vertrete ich die Meinung, dass quelloffene BI-Lösungen nicht das Allheilmittel und für alle Anwendungsfälle geeignet sind. Den Einsatzzweck von Open-Source-Lösungen in der Business Intelligence sehe ich vor allem in (an der Datenmenge gemessenen) kleinen bis mittleren und Spezialanwendungen. Deshalb passt der Fokus auf „kleine und mittelständische Unternehmen“.

Zu den Rahmenbedingungen des innerhalb des Vortrags präsentierten Projekts mit einer Laufzeit von 5 Monaten gehörte eine vorhandene SAP-Umgebung, deren Daten nun alternativ zum bereits vorhandenen – da inklusive – SAP BW mit Hilfe der Pentaho BI Suite – in der Community-Variante – ausgewertet werden sollten. Und genau darin lag meiner Ansicht nach das Problem. Denn es wurde eine fertige und aufeinander abgestimmte Lösung in Form von SAP mit dem Tool Pentaho verglichen.

 
Der Vergleich von Äpfeln mit Birnen

Dass ich mir unter Zuhilfenahme eines bisher noch nicht benutzten Programms zunächst einigen Einarbeitungsaufwand einhandle liegt ebenso auf der Hand wie der notwendige „Nachbau“ der SAP-Datenstruktur außerhalb des SAP-Systems. Diesen Punkt im Fazit als Nachteil der Open-Source-Lösung aufzuführen ist deshalb nicht wirklich „fair“, denn dann müsste man auch die vielen Wochen und Monate der Einarbeitung berücksichtigen, die einst zur Erlangen der SAP-Skills nötig waren.

Das entkräftet auch ein wenig die desweiteren ausgeführten enttäuschten Erwartungen hinsichtlich des Kosten-Nutzen-Verhältnisses, welche die Berücksichtigung der Kosten für die SAP-Lizenzen vermissen lässt. Nicht entkräften lässt sich allerdings das Argument, dass zunächst einmal bei den Pentaho-Reports nicht auf die SAP-Berechtigungen zugegriffen werden kann und das Pentaho-Berechtigungskonzept an sich nicht so tiefgreifend ist wie jenes einer SAP-Systemlandschaft.

Auch etwas unverständlich – und da habe ich mich mangels eigener Erfahrungen bei einem Arbeitskollegen schlau gemacht – scheint mir die Aussage, dass die Community nicht überzeugt hätte. Denn die Pentaho-Community ist eine der größeren im Open-Source-Bereich und zudem sehr hilfsbereit, sodass man doch relativ schnell eine Antwort bekommen kann. Beispielsweise in den Pentaho Community Forums mit einer fünfstelligen Anzahl Threads und einer sechsstelligen Anzahl Einträgen. Außerdem gibt es auch auf der Homepage der Pentaho Community eine sehr umfangreiche Dokumentation.

 
Und Pentaho überzeugt doch

Der direkte Vergleich der Stärken und Schwächen von SAP BI und der Pentaho BI Suite war da schon besser. Die Punkte „Kosten“ und „Wissenbreite/Vorwissen“ lasse ich hier aus den bereits angesprochenen Gründen mal unberücksichtigt. Darüber hinaus konnte Pentaho nach Aussagen der Referenten in den Punkten „Anbindungen“ – also der Anzahl von Schnittstellen zu anderen Systemen -, der grafischen Ausgabe sowie in Punkto Flexibilität und Funktionsumfang überzeugen. Auch attestierten die Referenten, dass der Aufwand mit Pentaho geringer ist als in SAP, um (funktional) vergleichbare Lösungen zu erstellen. SAP schneidet in dieser Beurteilung lediglich im Bereich der „Metadaten“ besser ab als der Konkurrent aus dem Open-Source-Lager.

Diese einander gegenübergestellten Stärken und Schwächen wären vielleicht das bessere Fazit gewesen und es klingen dabei auch exakt jene Punkte an, die gemeinhin als Vorteile von quelloffener Software gesehen werden. Allen voran die Flexibilität, die große Anzahl Schnittstellen sowie die Möglichkeit der individuellen Anpassung. Und all das gemessen an einem 5-Monats-Projekt, bei dem die Projektmitarbeiter mit keinen Pentaho-Kenntnissen begonnen haben und auch ausschließlich die Community-Version mit etwas eingeschränktem Funktionsumfang und ohne jeglichen Hersteller-Support eingesetzt haben.

 
Persönliches Fazit

Aufgrund der genannten Schwächen in der Argumentation und des nicht ganz „fairen“ Vergleichs, gab es für mich persönlich sicherlich schon Roundtables, mit denen ich zufriedener war. Trotzdem finde ich die kostenlose Veranstaltungsreihe des TDWI an mittlerweile über 10 verschiedenen Orten eine sehr gute Einrichtung, um zu fachsimpeln und Kontakte zu knüpfen und zu pflegen. Mich wird man sicherlich auch in Zukunft vor allem in Stuttgart und in Frankfurt auf Roundtables antreffen. Als nächstes TDWI-Event steht in zweieinhalb Wochen aber zunächst die TDWI-Konferenz 2011 in München mit ganz viel OSBI an. Ich werde auf jeden Fall auch von dort wieder berichten…

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