TDWI-Konferenz 2011 – Tag 3

Freitag, 17. Juni 2011, 20:04 Uhr

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Kinders, wie die Zeit vergeht… Tag 3 von 3 war angebrochen und so langsam merkte man, dass die letzten Tage lang waren. Aber trotz schwächelndem Akku gab es noch einmal interessante Informationen in diversen Vorträgen.

In der (extrem kurzweiligen) Keynote holte Frank Buytendijk die Zuhörer mit Fragen ab, die in BI-Projekten sonst keiner stellt. Ist es wirklich so, dass wir die falschen Fragen stellen, um aus unseren Daten Informationen und Erkenntnisse zu ziehen? Dass man sich dies zunehmend nicht mehr leisten darf zeigte sein Schaubild, gemäß dem die Lücke zwischen dem exponentialen Datenwachstum und der linearen Informationszunahme nachvollziehbar immer größer wird. Allerdings ist es manchmal bis oft gar nicht so einfach, die richtigen Fragen zu stellen, wie Frank einem Bild von Platos Käfig deutlich illustrierte: „Data ist only a shadow.“

Und bei der Differenzierung zwischen true/real/good ging es dann langsam aber sicher auch darum, dass nicht alles, was technisch möglich ist, auch moralisch vertretbar ist: „it may be possible, but is it right?“ Die Frage nach der „richtigen“ Frage stellt sich also nicht nur auf technischer, sondern auch auf moralischer und ethischer Ebene. Was falsche Fragen und zu frühere vermeintliche „Erkenntnisse“ anrichten können, hat uns ja gerade erst der Generalverdacht für Gurken und Tomaten beim EHEC-Virus gezeigt. Damit möchte ich es aber für die Zusammenfassung der sehr guten und kurzweiligen Präsentation – die übrigens bei Prezi zum Nachvollziehen verfügbar ist – genug sein lassen. Schließlich war es ja nur der Beginn des 3. und letzten Konferenztages.


Dokumentation komplexer Data-Warehouse-Systeme

Anschließend landete ich in einem Vortrag zum Thema Dokumentation, einem der „Stiefkinder“ in BI-Projekten. Eine große Baustelle, denn wer würde behaupten, dass sein BI-Projekt „gut“ dokumentiert ist? Und was bedeutet eigentlich „gut“? Hier liegt noch Einiges im Argen. Es mangelt an Best Practices sowie Standards und auch eine hinreichende Tool-Unterstützung ist aktuell noch nicht gegeben. Das gilt insbesondere wenn unterschiedliche Prorgamme innerhalb eines BI-Systems eingesetzt werden.

Das geht zumindest aus den Ergebnissen einer Umfrage der TU Chemnitz hervor, die während des Vortrags vorgestellt wurden. Aus ihnen geht hervor, dass rund ein Viertel der Umfrage-Teilnehmer gar nicht dokumentieren. In den übrigen Fällen wird zwar dokumentiert, oftmals aber nur als einmaliger Vorgang. Ursachen dafür liegen in einer nicht ausreichenden Automatisierung und der Unflexibilität der Dokumentations-Tools. Dies alles resultiert schließlich in zu hohem Aufwand und zu hohen Kosten sowie in unstrukturierten Dokumentationen, die letztlich oftmals ihrem ursprünglichen Zweck nicht mehr dienen können. Denn sollte eine Dokumentation nicht einem Unkundigen – z.B. ein neuer Mitarbeiter in der Abteilung bzw. im Projekt – einen schnellen Einblick in ein (wenn auch komplexes) System ermöglichen?! Mangels fehlender Standards kocht so ein Jeder sein eigenes Süppchen und der letztendliche Nutzen ist leider viel zu gering. Dokumentation ist wichtig und Dokumentation muss ihrem Zweck dienen. Deshalb gilt es hier schleunigst Abhilfe zu schaffen denn ansonsten rückt auch das diesjährliche Trend-Thema „Agilität“ in ganz weite Ferne. Gerade im Hinblick auf Agilität wird deutlich, dass Dokumentation ein laufender Prozess sein muss und nicht auf die Zeit nach dem Rollout geschoben werden darf.

Ein interessantes Detail in den Ergebnissen der angesprochenen Umfrage darf in einem Blog mit dem Fokus „Open Source Business Intelligence“ natürlich fehlen. Bei der Frage nach der Art des eingesetzten BI-Systems belegten die BI-Suiten zwar sowohl in der aktuell als auch in der zukunftsbezogenen Betrachtung die Pole-Position, allerdings zeigt sich eine doch sehr eindeutige und vor allem auch deutliche Verschiebung von „Eigenentwicklungen“ hin zu „Open Source“. Auch wenn hier vielleicht ein wenig Äpfel mit Birnen verglichen werden – eine „BI-Suite“ kann ja theoretisch sowohl Open- als auch Closed-Source sein – zeigt sich damitquasi nebenbei, dass quelloffene weiter auf dem Vormarsch sind und wahrscheinlich werden mir aus deswegen (glücklicherweise) die Themen in diesem Blog nicht ausgehen 😉


Von der Lücke zwischen Strategie und Umsetzung

Dass Dokumentation allerdings nur ein Problem innerhalb von BI-Projekten unter vielen ist zeigte eine Case-Study zum Ende der Mittagspause. Kurz und knapp wurde allen Zuhörern von den Autoren des Buches Raus aus der BI-Falle nochmals vor Augen geführt, was in der täglichen Arbeit nicht so läuft wie es eigentlich laufen könnte und sollte. Das geht bereits damit los, dass zu sehr auf die Quantität als auf die Qualität der Daten geachtet wird. Es ist nicht wichtig wie viele Daten ich haben, sondern dass ich die richtigen und vor allem (inhaltlich) korrekten Daten habe. Um noch einmal auf die Keynote des 3. Tages zurückzukommen: In Zukunft wird es nicht mehr möglich sein, alle Daten zu verarbeiten. Deshalb muss hier fokussiert und qualitätsgesichert werden, damit Business Intelligence weiterhin beim Treffen von wichtigen Entscheidungen helfen kann.

Nicht fehlen darf dabei die Zusammenarbeit zwischen Fachbereich und der IT, denn auch mangelndes fachliches Verständnis bzw. vielmehr die Vermittlung fachlicher Sachverhalte kann mit ein Grund für das Scheitern von BI-Projekten sein. Business Intelligence ist wie die Themen Datenqualität kein IT-Thema, sondern betrifft das Ganze Unternehmen. Der Fachbereich darf sich dem nicht entziehen, sondern muss in die unternehmensweite BI-Strategie ebenso wie alle andere Stakeholder mit eingebunden werden.

Von einer BI-Strategie ist der gedankliche Weg hin zu einem BICC (Business Intelligence Competency Center) nicht mehr weit. Das bloße Vorhandensein eines solchen allein führt aber nicht zum Ziel. Ein BICC darf nicht nur ein „Etikettenschwindel“ sein, sondern muss einen abteilungsübergreifende Einrichtung sein, in der Know-How und Mitarbeiter aus allen involvierten Unternehmensbereichen zusammenfinden und zusammenarbeiten.

Und letztendlich gilt das Sprichwort „Think big, start small“ auch im BI-Umfeld. Ein BI-Projekt darf nicht als Schöpfungsakt, sondern als evolutionäre Entwicklung gesehen werden, bei der am Anfang noch nicht unbedingt klar ist, wie das „Ende“ aussehen wird.


Vortrag über OSBI zum Abschluss

Wie schon vorab festgestellt, blieb dem Vortrag zum Thema Open Source Business Intelligence von Prof. Hagen und Prof. Trahasch von der Dualen Hochschule Lörrach – u.a. Mitherausgeber des OSBI-Buches – nur der undankbare letzte Slot. Dementsprechend bekamen auch nur verhältnismäßig wenige Zuhörer des Vortrags mit, dass Open-Source-Lösungen gemäß der folgenden Grafik in Anlehnung an die Gartner Research Note G00171189 von Andreas Bitterer nicht mehr nur „Early Adepoters“ sind, sondern sich auf der zweiten Welle langsam aber sicher dazu entwickeln, „just another aspect of sourcing“ zu sein.

Grafik in Anlehnung an Andreas Bitterer, Gartner Research Note G00171189.

Diese These wird auch dadurch gestützt, dass Talend im Magic Quadrant Data Integration von Gartner mittlerweile zu den „Visionären“ gehört und sich eine dementsprechende Sichtbarkeit auf dem Markt erarbeitet hat. Im Magic Quadrant für BI Platforms findet sich Jaspersoft im Quadranten „Niche Player“ wieder. Pentaho hat es scheinbar aufgrund eines minimal zu geringen Umsatzes zumindest 2011 nicht in diese Veröffentlichung geschafft.

Was ich alleridngs etwas schade fand war, dass Open-Source immer noch hauptsächlich auf den Kostenaspekt reduziert wird. Einige Äußerungen im Publikum zielten genau darauf ab. Und was ich mit der Flexibilität? Der großen Anzahl Schnittstellen und damit die sehr gute Integration mit unterschiedlichen Datenquellen… Es muss also auch weiterhin noch Überzeugungsarbeit geleistet werden.

Bleibt abzuwarten ob sich das Verständnis von OSBI bis zum nächsten Jahr ändert und ob es dann vielleicht wieder ein Vortrag zu diesem Thema an einen dankbarerem Slot geben wird. Auf jeden Fall bleibt es spannend in diesem Bereich, denn an den Ständen von Palo, Jaspersoft, Pentaho und Talend gab es doch einige Informationen über neue Features in den kommenden Versionen (dazu bald mehr).

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