Wer OSBI nur nutzt ist ein Sünder!

Donnerstag, 14. Juli 2011, 22:17 Uhr

Noch keine Kommentare

Harte Worte, die der Jaspersoft-CEO Brian Gentile in einem jüngeren Blog-Post findet. Für ihn ist es eine „Sünde“, wenn jemand Open-Source-Software nur nutzt ohne etwas in die Community zurückzugeben. Aber ist das wirklich so? Und wo fängt das „etwas zurückgeben“ in die Community eigentlich an?

Trotz aller Belehrungsversuche ist es auch heute immer noch so, dass viele Anwender bei Open-Source-Software hauptsächlich den Kostenfaktor sehen – so beispielsweise auch in der Broschüre Open Source im geschäftskritischen Einsatz von Ernst & Young: Runterladen, eventuell anpassen und dann für die eigenene Zwecke nutzen. Wenn etwas nicht so tut, wie man es sich vorstellt, dann wird – typisch deutsch – gemeckert. Aber Codeverbesserungen, Bug-Reports oder Erweiterungen/Verbesserungen werden viel zu selten an die Community des entsprechenden Produkts weitergegeben. Getreu dem Motto: Warum sollen denn andere gratis davon profitieren, dass man sich Arbeit gemacht hat?! Dass sich viele andere noch viel mehr Arbeit gemacht, von der man selber nun profitiert, wird in diesem Zusammenhang gerne übersehen…

Was ich geschrieben habe ich jetzt natürlich etwas überspitzt. Ebenso der Titel dieses Posts sowie der Artikel The Sin in Open Source von Brian Gentile, CEO von Jaspersoft. Natürlich gibt es viele engagierte Personen im Open-Source-Umfeld, die sich an den Produkten beteiligen. Sie suchen Bugs, optimieren und schreiben Erweiterungen. Doch es gibt auch noch viel zu viele, die sich auf das reine Konsumieren beschränken. Eine kurze Anekdote, die zum Kopfschütteln einlädt: ich war 2009 auf dem Joomla!-Day in Bad Nauheim. Für alle, die es nicht kennen: Joomla! ist ein Content Management System (CMS). Da saß dann ein „Webdesigner“ – oder sagen wir mal jemand, der mit dem Anpassen von Joomla! sein Geld verdient – und beschwerte sich, dass Joomla! in der aktuelle Version doch so wenig könne und die Weiterentwicklung so träge sei. Hallo?! Runterladen, Standard-Templates ein wenig anpassen, ein Haufen Geld damit verdienen ohne irgendetwas an die Community zurückzugeben und sich dann noch beschweren. Sorry, dafür habe ich absolut kein Verständnis!

Man kann jetzt natürlich niemanden „zwingen“, etwas an die Community zurückzugeben. Aber wenn wir mal ehrlich sind ist es doch gar nicht so schwer. Dieses Zurückgeben – neudeutsch: Contribution – an die Community muss ja gar nicht der spektakuläre Quellcode für eine revolutiopnäre neue Funktionalität sein. Nicht jeder ist schließlich ein begabter Programmierer. Aber mit schon sehr geringem Aufwand kann man trotzdem seinen Beitrag leisten:

Mithilfe bei der Übersetzung

Englisch ist Weltsprache, aber eine Anwendung in der Muttersprache lässt sich dann doch meistens einfacher und schneller bedienen. An Übersetzungen kann man sich z.B. bei Talend über das Projekt Babili beteiligen. Und wenn es nur ein paar Wörter oder Sätze sind. Auch Deutsch ist nur zu knapp über 50 % übersetzt.

Bugs finden

Software ist komplex und viele Fehler treten nur unter ganz bestimmten Bedingungen auf und sind somit nur sehr schlecht bis gar nicht testbar. Deshalb hilft es den Entwicklern immer weiter wenn man Fehler findet und diese inklusive eine Anleitung zur Reproduktion meldet. Entsprechende Bugtracking-Systeme sollte jedes Open-Source-Projekt führen.

Mitwirkung im Forum

Auch mit dem eigenen Know-How sollte man nicht geizen und anderen Nutzern bei Fragen und Problemen behilflich sein. Schließlich hat man auch selber irgendwann eine Frage und hofft auf Hilfe über das Forum.

Mund-zu-Mund-Propaganda

Oder wie wäre es auch einfach nur darüber mal zu berichten? Je öfter man von einem Projekt (positiv) berichtet, desto größer wird die Sichtbarkeit. Die Spirale dreht sich dann immer weiter: mehr Nutzer -> mehr Wissen und Know-How -> mehr Contributions zum Projekt -> bessere Software -> besseres Feedback -> mehr Nutzer…


Fazit

Bei Open Source ist es nun eben nicht wie in der Küche. Dort verderben bekanntlich viele Köche den Brei. Je mehr Personen sich in irgendeiner Weise an einem Open-Source-Projekt und in der Community beteiligen, desto größer ist der Nutzen für alle. Geben und Nehmen, eine Hand wäscht die andere oder welches schöne Sprichwort sich hier noch finden lässt.

Vielleicht hat der Artikel von Brian Gentile auch ein wenig aufgerüttelt. Ich kann es nur hoffen. Denn auch wenn Brian natürlich primär auf seine Firma schaut, das Problem ist überall in der immer größer werdenden Welt der Open-Source-Software das selbe.

Tags: ,

Kommentare zu diesem Beitrag

Bisher wurde noch keine Kommentare abgegeben.
Sie können also die oder der Erste sein.

Jetzt einen neuen Kommentar abgeben



(optional, Ihr Name wird entsprechend verlinkt)