Softwarequalität als Argument für Open Source

Samstag, 10. März 2012, 22:54 Uhr

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Eine aktuelle Studie von Coverity hat die Qualität des Software-Codes von Open-Source-Software und proprietärer Software verglichen. Und siehe da: die Codequalität von Open Source steht jener von proprietärer Software um nichts nach und ist oftmals sogar besser. Qualität ist damit also sicherlich kein Argument gegen den Einsatz von Open Source.

Ich gebe ja zu, dass ich als Verfechter von Open Source Studien wie den 3. Coverity Scan Open Source Report gerne lese, widerlegt dieser doch ein von Open-Source-Verweigerern gern genanntes Argument. Kernaussage der Studie: Die Quellcode-Qualität von Open-Source-Software steht der Studie zufolge jener von proprietäter Software um nichts nach, sondern ist sogar oftmals besser. Stellt sich aber die Frage: Wie kommt es dazu? Wie lässt es sich erklären, dass Software, die von vielen extrem unterschiedlichen Entwicklern mit sehr heterogegen Rahmenbedingungen programmiert wird besser sein soll als eine Software eines homogenen Teams aus Experten und Spezialisten?


Warum die Codequalität von Open-Source-Software so gut sein kann

Die Offenlegung des Quellcodes einer Software führt zwar nicht automatisch zu einer guten Softwarequalität, ist dieser aber zuträglich. Insbesondere bei Open-Source-Software gibt es vor dem eigentlichen Release oftmals zahlreiche Beta-Versionen oder Releases Candidates, die sowohl von technisch versierten als auch Business Usern unter die Lupe genommen. Auf diese Weise können schon frühzeitig Fehler gefunden werden, die den Entwicklern aufgrund einer gewissen „Blindheit“ für den eigenen Quellcode, den Business Case oder die Art und Weise der Bedienung durch den Endanwender zuvor nicht aufgefallen sind. Dadurch, dass Jeder Software auf mehr oder weniger unterschiedliche Art und Weise nutzt bzw. Quellcode anders liest, wird auch auf sehr unterschiedliche Weise „getestet“. Je populärer ein Open-Source-Projekt ist, desto mehr Benutzer und (kostenlose) Beta-Tester hat dieses Projekt. Und eben dies zahlt sich eben darin aus, das mehr Fehler erkannt werden und verbessert werden können.

Wie aber bereits eingangs erwähnt: die Kultur eines Open-Source-Projekts und eine aktive Community sind für eine gute Codequalität förderlich, es besteht aber keine Implikation. Es gibt sicherlich auch Open-Source-Software, deren Quellcode vor Fehlern nur so strotzt und es gibt definitiv auch proprietäre Software, die sehr sehr wenige Fehler enthält. Was wir aus der Studie aber definitiv mitnehmen können: Codequalität als allgemeingültiges Argument gegen den Einsatz von Open Source ist weder  beleg- noch belastbar.


Ein praktischer Vergleich

Während ich an diesem Artikel geschrieben habe ist mir noch ein schöner Vergleich eingefallen: das Schreiben einer wissentschaftlichen Arbeit. Auch meine Diplomarbeit sowie meine Master-Thesis wurden ihrerzeit von sehr unterschiedlichen Personen korrekturgelesen. Einige hatten technischen Background und konnten einigermaßen beurteilen ob ich Quatsch schreibe oder nicht, Andere konnten sagen inwiefern der geschilderte Business Case der Realität nahe kommt oder ob dieser zu sehr an den Haaren herbeigezogen ist und wieder Andere hatten weder von der Technik noch der Fachlichkeit eine Ahnung, dafür aber das Auge für die Rechtschreibung und den Schreibstil.

Da ich meine Texte (Pendant: Quellcode) schon vorab (Release Candidate) zum Korrekturlesen (Code Review) an unterschiedliche Personen (Beta-Tester) gegeben habe, sind damit – wie ich doch finde – qualitativ gute Arbeiten entstanden. Ich habe meine Texte ebenso aus der Hand gegeben wie dies mit dem Quellcode von Open-Source-Software geschieht. Hätte ich alles für mich behalten (proprietär), dann wäre sicherlich der ein oder andere Fehler unentdeckt geblieben bis die Abschlussarbeiten bei den Professoren (Anwender) zur Benotung (Nutzung) vorgelegt wurden.

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