Prof. Rossak über das Fachbuch und Open Source (BI)

Mittwoch, 27. März 2013, 18:22 Uhr

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Anfang Februar erschien das Fachbuch „Datenintegration“, das für Neulinge einen guten Einstieg in diese Thematik bietet. Der Herausgeberin Prof. Ines Rossak von der FH Erfurt konnte ich nun ein paar Fragen über die Hintergründe und die Entstehung des Buches stellen und ihr auch ein paar Ansichten rund um Open Source (Business Intelligence) entlocken.

Zu Jahresbeginn erschien das Buch Datenintegration unter der Herausgeberschaft von Prof. Ines Rossak. Das Buch entstand aus Ihrer Vorlesung an der Fachhochschule Erfurt und führt in das sowohl theoretisch als auch praktisch unter Benutzung des Talend Open Studio in das Thema „Datenintegration“ ein. Bereits Anfang Februar hatte ich die Möglichkeit das Buch „Datenintegration“ hier im OSBI-Blog zu rezensieren, nun konnte ich der Herausgeberin auch ein paar Fragen sowohl zum Buch als auch zu allgemeinen Themen rund um Open Source und Open Source Business Intelligence zu stellen.


Hallo Frau Rossak,

im Januar haben Sie zusammen mit (teilweise ehemaligen) Studenten Ihrer Hochschule das Buch „Datenintegration“ herausgebracht. Wie kam es zu der Idee und wer ist die Zielgruppe dieses Buches?

Die Idee entstand ursprünglich in meinen Lehrveranstaltungen Analytische Informationssysteme (AIS)  im Bachelorstudiengang bzw. Spezielle Kapitel Datenbanken (SKDB) im Masterstudiengang Angewandte Informatik, eigentlich auf Anregung von Studierenden. In beiden Lehrveranstaltungen stellen Probleme der Homogenisierung und Konsolidierung historisch gewachsener und verteilter Datenbestände einen wesentlichen Bestandteil der Lehrveranstaltungen dar. Zum einen müssen sich die Studierenden zur Einarbeitung in die theoretischen Grundlagen durch eine Menge white paper lesen, zum anderen durch eine Menge Dokumentationen, Webinare u.ä. kämpfen, um die praktischen Aufgaben lösen zu können. Da hörte ich immer wieder den Wunsch nach einem Buch zum Einstieg in die Thematik. Bestärkt wurde dies durch Gespräche mit Kollegen in der Praxis, die sich mit Integrationsprojekten befassen und ähnliche Bedürfnisse haben, aber zu wenig Zeit. So entstand die Idee, ein Buch für genau diese Zielgruppen zu schreiben. Ein Buch, das einen Einstieg in das Thema bieten soll, nicht mehr, aber auch nicht weniger. In einer Veranstaltung zum wissenschaftlichen Arbeiten im Masterstudiengang fanden sich dann fünf Studierende zusammen, die das unter meiner Leitung in Angriff nahmen.

Wann und warum haben Sie sich entschieden das Talend Open Studio im Studium einzusetzen? Haben Sie auch andere Produkte in Betracht gezogen?

Im Jahr zuvor hatte ich gemeinsam mit Masterstudierenden die gleiche Projektaufgabe mit Pentaho und Talend lösen lassen. Pentaho bietet ebenfalls einen großen Funktionsumfang und außerdem sind bereits (Lehr-)bücher vorhanden. Zu meiner Überraschung befanden die Studierenden aber mit großer Mehrheit Talend als (für die Lehre) geeigneter. Es sei leichter zu implementieren, intuitiver zu bedienen und einfacher zu konfigurieren. Bei der Suche nach einem Buch, das ähnlich wie bei Pentaho oder bei Microsoft in das Thema Integration einführt und Schritt für Schritt an einem durchgängigen Beispiel die Vorgehensweise demonstriert, stellte ich fest, dass es im deutschsprachigen Raum für Talend nichts derartiges gibt. Das sehr gute Buch „Open Source Business Intelligence (OSBI): Möglichkeiten, Chancen und Risiken quelloffener BI-Lösungen“ bietet einen ausgezeichneten Überblick, ging aber für meine Bedürfnisse nicht weit genug in die Tiefe (was natürlich auch nicht Anliegen dieses Buches war).

Welche anderen Tools – egal ob Open Source oder ein kommerziell – setzen Sie darüber hinaus in Ihrer Lehre ein?

  • Für Datenbanken: MSSQL-Server, mysql, postgres
  • Für OLAP und Mining: MSSQL-Server, Palo, Weka
  • Für Integration: MSSQL-Server, Talend
  • Für Webentwicklung: xampp

Was entgegnen Sie Studierenden, die fragen: „Warum soll ich ein Open-Source-Tool lernen? Damit kann ich doch später im Beruf nichts anfangen.“

Bei einem Open Source Tool lernt man nicht nur die reine Bedienung, sondern auch Aufbau und Funktionsweise kennen. Das hilft auch bei der Einarbeitung in kommerzielle Tools. Zudem kommen gerade im Bereich Datenbanken, Analyse und Reporting immer mehr Open Source Tools zum Einsatz. Gerade kleine und mittlere Unternehmen setzen verstärkt auf solche Lösungen.

Abschließend noch eine allgemeine Frage: Was sind aus Ihrer persönlichen Sicht die Vor- und Nachteile von Open-Source-Software und wie wird sich die Verbreitung und Akzeptanz zukünftig entwickeln?

In Bezug auf den Einsatz im akademischen Bereich ergeben sich vor allem Vorteile:

Für die Fakultät:

  • die leichte und kostengünstige Verfügbarkeit und Plattformunabhängigkeit

Für die Studierenden:

  • die Möglichkeit durch Blick in den Quellcode Aufbau und Funktionsweise komplexer Softwaresysteme zu verstehen und die Möglichkeit, eigene Weiterentwicklungen in Angriff zu nehmen
  • Teil einer Community zu werden

Nachteile gibt es mitunter durch die Fülle (auch paralleler) Entwicklungen und die nicht immer auf dem aktuellsten Stand befindlichen Dokumentationen bzw. zu breit verstreuten Dokumentationen.

Aus meiner Sicht sind Open Source Tools ganz klar auf dem Vormarsch, gerade für kleine und mittlere Unternehmen bieten sich hier Werkzeuge mit enormem Funktionsumfang zu günstigen Konditionen. Den häufigen Einwand im Hinblick auf den Support kann ich nicht ganz nachvollziehen. Es gibt inzwischen viele Consulting-Firmen, die beim Einsatz unterstützen.

Vielen Danke für das Interview.

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